Jojo Mayer...on the move! (Von Markus Dehmut, STICKS 7/99 Germany, ungekuertzt )
Jeden Dienstag gegen 24.oo treffen sich im New Yorker Club "Shine" 400 bis 500 tanzwuetige Raver, die auf den "breackneck speed" (Village Voice Januar 26,1999) der Prohibited Beatz, der von Jojo Mayer initiierten drum n' bass night, bis in den Morgengrauen tanzen. Das Ungewoehnliche an der Veranstaltung ist, dass die drum n' bass Musik von einer Live Band stammt, von Jojo Mayer's Formation NERVE! Erstanden st NERVE aus Sessions in der East Village Location "Izzy Bar", wo sich die jetzige Besetzung aus Tim Lefebvre (bass), Jamie Saft (Gitarre und Keyboards) und Jojo Mayer gefunden hat. Das Trio laedt sich zu ihrer Clubnacht Gastmusiker wie Karsh Kale (Tablas), Vernon Reid (Gitarre), MC's, verschiedene Saenger und Turntabler ein, mit denen sie sich zwischen Drum n' Bass, Funk, Acid Jazz, Raga und selbst House Musik neben bizarren Video Projektionen von "Feedbuck Galore" oder "Gardner Post of Emergency Broadcast Network" pushen. Kurz: "We're trying to reverse-engineer DJ culture, to bring it to a new hybrid audience of listeners", so Jojo Mayer. Der gebuertige Schweizer Schlagzeuger scheint sich mit NERVE einen Traum erfuellt zu haben: Er ist uebergluecklich ueber den wachsenden Zustrom zur dienstaeglichen Club Night im Shine, ueber das hereinbrechende Medieninteresse u.a. von MTV und der The New York Times, und endlich seine eigene Band zu haben...
Der seit 10 Jahren in New York lebende Jojo Mayer ist links abgebogen: Nachdem der heute 36 jaehrige Schlagzeuger seit seinem Einstieg in die Monty Alexander Group im Alter von 18 Jahren ausschliesslich als Side Man unzaehlige Alben und Tourneen in den USA, Europa und Japan mit mehr als 20 verschiedenen Kuenstlern und Gruppen unternahm, featured er nun seine eigenen Ideen , eben NERVE. Ungewoehnlich, dass bei einem vom Modern Drummer Magazine als "Drum God" beschriebener Schlagzeuger (nach Jojo Mayer's mit standing Ovations bedachten Auftritt beim Modern Drummer Festival 1998) seinem erstes Solo Projekt keine typische Musiker bzw. Drummer Musik beinhaltet, sondern eine Musik-Richtung die es Live erst einmal gar nicht gab.
Mir gegenueber sitzt ein frischer, begeisternder Jojo Mayer, der nicht unbedingt ein Schlagzeug braucht um seine(n) Zuhoerer in seinen Bann zu ziehen...
Wie kommt ein Drummer dazu in einer drum n' bass Band zu spielen?
JoJo: Ich habe einfach immer ein offenes Ohr gehabt. Ich habe mich schon immer mit Subkulturen beschaeftigt, damals auch mit Hip Hop, als es noch eine Subkultur war. Ich habe -und musste- mich auch aus meiner Arbeit als Produzent immer wieder mit elektronischer Musik befassen und bin somit nicht unbedingt aus der Schlagzeuger-Richtung zu drum 'n bass gestossen. Noch vor 4-5 Jahren habe ich die Leute die drum n' bass gehoert haben fuer absolut bescheuert gehalten. Bis ich dann mehr und mehr angefangen habe, auch diese Subkulturen zu produzieren. Irgendwie kam es dann immer oefter dahin, dass wir 3 Stunden gebraucht haben um irgendeinen Loop (im Sequenzer) zurechtzuruecken so dass er richtig klingt und ich mir dann gedacht habe: Jetzt spielst Du die HiHat doch einfach selber ein! Das ging dann in 3 Minuten. Dann habe ich eben die kompletten Beats eingespielt, einfach erst einmal um Zeit zu sparen. Ich habe dann angefangen mit dem, was ich "Reverse Engineering" nenne: Also Sachen quasi retour zu entwickeln rueckwaerts zu entwickeln also die Elektronik zu mitiieren. Das Schlueselerlebnis war eine Schweizer Produktion mit Roli Mosimann, der u.a. die Einstuerzenden Neubauten, Sugarcubes, Faith No More und auch Remixes der Smashing Pumpkins produziert hat. Es war ziemlich geil: Er hat mich einfach spielen lassen" whereever the fuck there was it"! Er hat nicht esagt: Kleb' mal die Trommel ab, spiel' die Sachen so, nein, er hat einfach die Micros aufgebaut dass der Sound so rueberkommt wie ich wollte und hat mich spielen lassen wie ich wollte. Er hat mich dann nach Hause geschickt und paar Wochen spaeter bin ich dann zurueckgekommen und habe dann ueber die Pro Tools Session wieder drueber gespielt, also die 2. Generation. In der Zwischenzeit wurden die ersten Spuren gesampelt. Dann bin ich nach New York gezogen und habe gemerkt dass sich hier in New York kein Schwein fuer diese contemporaere Geschichte, diese elektronische Musik interessiert. So 2, 3 Kollegen fanden die Idee irgendwie gut, der eine war Marc Gilmour und der andere war Zach Danziger. Das waren die einzigen zwei mit denen ich irgendwie kommunizieren, mich auf diesem Level unterhalten konnte. Ich wollte so etwas dann unbedingt selbst machen, live umsetzen, aber es gab einfach keine Musiker hier, zumindest nicht in meinem Umfeld. Entweder waren die zu blassiert sich damit auseinander zusetzen oder einfach... ja, halt schlichtweg zu doof. Ich habe mich dann mehr mit DJs getroffen und mich dann das erste Mal von meiner "Side Man" Show als Schlagzeuger geloest indem ich dann angefangen habe in einem kleinen Club in der East Village jede Woche Sessions zusammenzubauen, mit Leuten mit denen ich die Woche ueber zusammenarbeite wie Vernon Reid (Ex-Living Colour Gitarrist)... wir haben einfach gejammt....
In welchem Club?
Jojo: Das war die Izzy Bar. Am Anfang haben wir vor 15 Leuten gespielt. Und ploetzlich so nach 2-3 Wochen hat es "Krach" gemacht und es waren 200 bis 300 Leute jede Woche da. Es war ein Andrang , die Leute haben Schlange gestanden, es kam da unten keiner mehr rein, die Beastie Boys und viele bekannte DJs sind da unten eingefahren, es hat sich unheimlich schnell rumgesprochen. Es war fuer mich eine experimentelle Plattform, mit dem Zeugs rumzuspielen und es auch mit einigen Leuten zu versuchen. Wir haben uns zwischen Free Jazz, Hip Hop und drum n' bass so langsam der urspruenglichen Vision angenaehert die mir vorschwebte. Ich bin dann mit DJ Spookie 2 Monate auf Tour gegangen und habe dann mit etwas Abstand realisiert, dass fuer soetwas ein ziemliches Potential da ist. Und wenn man dann so etwas intensiviert...
Wer ist DJ Spookie, gehoert er zu NERVE ?
JoJo Mayer: DJ Spooky ist eine amerikanische Deckung zu den neuen Trip Hop Geschichten. Auf dieser Tour habe Ich dann mit etwas Abstand gemerkt, dass es das ist was ich jetzt machen will. Ich habe dann einfach mehr in diese Richtung gearbeitet. So habe ich dann vor 6 Wochen diesen neuen Club gefunden, den SHINE. Das ist ganz gut, da kommen jede Woche 300 Leute, das ist eine Plattform, die dann weit ueber die Musik hinausgeht. Wo ich mich auch mit anderen Elementen auseinandersetze. Die Jungs mit denen ich die Veranstaltung "Prohibited Beatz" mache, haben alle unglaubliche Visionen - einfach weil sie darauf stehen. Es ist irgendwie diese "amerikanische Abteilung" -Irgendwie hierhin kommen und seinen eigenen Scheiss machen. Etwas zu machen was nicht jeder macht! Dieser Pioniergeist, den Amerika gross gemacht hat. Du musst hierherkommen, und irgendetwas machen was noch nicht jeder macht und dann wirst Du auch beachtet... "you gotta get attention"!
Was bei Dir ja eingetreten ist. Ueber Deine Band NERVE habe ich aus der New York Times und der Village Voice euphorische Berichte gelesen.
Jojo Mayer: Das geht total ab. Sogar MTV und die Leute vom Vogue Magazine waren am Dienstag im "Shine" bei unserem Konzert, sogar das Play Boy Magazine. Das ist dann die ganz andere Abteilung! Ich habe auch das Gefuehl, die Leute suchen nach Alternativen zu diesem Schubladen-Denken. Es haengt auch mir zum Hals raus, ich habe keine Lust mehr mit Leuten zusammenarbeiten die alles in Schubladen stecken -so aha- "ja das ist so eine Mischung zwischen Hip und Jam, Jamiriquai und Miles Davis ist auch dabei..." Das entsteht sicher auch schlicht aus dem Gefuehl heraus den Job zu verlieren....
(Das Handy von JoJo Mayer klingelt.Das Telefonat endet mit:"Whow! Gimme Five! That's awesome, man! I am in the middle of this meeting here with the german newspaper guy...sorry, great, man! Bye!" Jojo bekam gerade die Nachricht als Opener fuer ein BECK Konzert in Hollywood im Rahmen der Oscar Verleihung mit NERVE zu spielen. Jojo ist froh, ein bisschen stolz, und doch schon sehr verwundert wie schnell NERVE doch auf einmal Wellen schlaegt.)
Die Band NERVE ist also aus einer Jazz Tradition zusammengekommen. Es wurde vor Publikum gejammt, probiert und Ihr habt Euch schliesslich auf der Buehne durch die Jams zusammengefunden. Also nicht im Proberaum?
Jojo: Genau! Irgendwie sofort vor Leuten! Das ging dann natuerlich ab und zu auch in die Hose...Es war aber wichtiger diese Form zu finden, diese Synthax zu kreieren. Es waren auch Leute dabei die schon sehr gute Spieler waren, aber die haben es aber einfach nicht gepackt: Die haben dann ihre Apparate, ihre Grooves abgelassen, was dann aber kein drum n' bass war, sondern nach Fusion-Jazz klang. Ich habe denen dann gesagt: "Du kannst hier nicht Jazz spielen, improvisiere, aber spiele keinen Jazz!". Aber bei den meisten war es dann so, die hatten dann einfach keinen Bock mehr....
Liegt es daran dass es zwischen der Musikern und der drum n' bass-Schiene vielleicht nur wenige Beruehrungspunkte gibt? Dass diese ein anderes Ideal haben, eben "natuerliche" Drummer und so auch andere Musikrichtungen?
Jojo: Ja. Aber ohne irgendwie ins Horn blasen zu wollen: Ich frage mich: Ja es liegt wohl daran, dass viele Musiker ihre Koepfe in den Aerschen haben. Die kriegen gar nicht mit was das eine riesen Opportunity hier ist! Das erste Mal seit 20 Jahren kriegst du es fertig 5000 Leute an einen Ort zu kriegen um sich instrumentale Musik auszuchecken .instrumentale Musik, die von der Statistik ja eigentlich nur mit der Dichtheit von Bepop zu vergleichen waere, oder -whatever- von Tony Williams gespielte Geschichten. Wie die LTJ Bukem oder Squarepusher ihre Drums programmiemmiren, das ist schon voll abgefahren. Oder die Aphex Twin, das ist genauso wie Frank Zappa. Das ist Zeitgeist! Das Problem ist, dass nicht nur die Musiker am Zeitgeist vorbeileben. Das Schwierigste ist, auch fuer mich, nicht nur Neuland zu erobern, sondern mich auch loszuloesen von alten Territorien, auf denen ich mich als Schlagzeuger sicher gefuehlt habe. Dir selbst zu sagen:"Das spielst Du jetzt nicht mehr hier". Es geht fuer mich darum die Sprache zu veraendern...
Es schien, dass Du nicht nur drum n' bass gespielt hast, sondern Du ein drum n' bass Schlagzeuger BIST. Deine Mimik, Deine Bewegungen schienen mit den Grooves, der Musik so integer. Man sah Dir an, dass es mehr als ein Job fuer Dich ist. Ich haette nie gedacht dass man in drum n' bass so "drin " sein kann!
JoJo: Es ist doch nur Musik. Aber darum geht es doch immer nur! Vor lauter Rudiments, vor lauter Schule, vor lauter Drummer's Collective vor lauter Educational Kacke... Musik machen ist ein powerful shit. Ich habe wahrscheinlich seit uber 10 Jahren nicht mehr so ein Feeling gehabt. Creating something new! Ich habe die komplette Freiheit, ich kann machen was ich will. Schlagzeugspezifisch gesehen entdecke ich gerade vollkommen neu was man mit einem Schlagzeug alles machen kann. Es ist ein Unterschied ob Du die Bassdrum so ...dubbb... so oder so spielst...dummhh...Ob Du die Snare Drum jetzt hier oder am Rand anspielst...biinngm bada...Auch im Studio: Was Du alles mit einer HiHat machen kannst wenn Du nicht einfach drauflos drischst. Mich stoert, dass das Schlagzeug immer mehr zu einer statistschen Angelegenheit wird. Es zaehlen nur noch Koordination, links-rechts-geradeaus. Wir hoeren uns selber gar nicht mehr zu! Wie es eigentlich klingt! Es gehr nur noch um Paradiddle, oder links, um rechts um ein bischen schneller oder ein bisschen langsamer, hier eine rechts-links Kombination. Aber dabei geht es doch eigentlich gar nicht darum... Meiner Meinung geht es darum einen Sound zu kreiieren. Aber das ist doch das Wunderbare, die Moeglichkeit bei dieser Musik: Zu versuchen, etwas was maschinell hergestellt wurde, von den Leuten die eigentlich versucht haben ein akustisches Phaenomen einzufangen, mit dem Schlagzeug umzusetzen.
Die Drummachine sollte so menschlich wie moeglich klingen und Du moechtest nun als Drummer so maschinell wie moeglich, so nahe wie moeglich an den Groove der drum n' bass nahezukommen?
Jojo: Ja genau! Synthesizer wurden gemacht um natuerliche Klaenge zu reproduzieren, die "fremd" sind. Mit dem digitalen Programming wurde eine Synthax geschaffen, die in einer gewissen Klangfarbe "grell" ist, in einer digitalen und maschinellen Produktionsweise. Du weisst genau was die Produktionsweise mit dem Mainstream in der Musik bewirkt hat: Wenn Du nicht mit dem Click Track im Studio das Ei in die Pfanne hauen kannst, dann kriegst Du keine Jobs! Du musst heute mit dem Click Track einfach grooven koennen ohne dass Du ueberhaupt ueberlegst. Ich sage nicht dass Du ein schlechter Schlagzeuger bist wenn Du das nicht kannst - aber rein vom industriellen Denken her bist Du es. Es gibt sogar Leute die haben das total kultiviert. So Leute Dave Weckl - die waren dabei! Die haben auch die Schecks dafuer gekriegt. Jetzt passiert wieder was Neues: Was ist ueberhaupt ein Echo oder ein Delay? Die wenigsten Leute wissen ja ueberhaupt dass es ein Echo in der Natut gibt. Oder ein Wah Wah Effekt! Das alles am Set zu reproduzieren, ganz einfach zu "graben" woher das Zeug eigentlich kommt, ganz tief an die Wurzel gehen ...
Du benutzt also absichtlich keine E-Drums, obwohl das ja zur Stilistk passen wuerde?
Jojo: Ich versuche die Ingredients der Maschine selbst zu imitieren.Ich weiss wie ein Sample sich verhaelt. Ich versuche es zu imitieren. Ich hoffe natuerlich dass es fuer Schlagzeuger die mich hoeren auch so rueberkommt. Es geht darum sich inspirieren zu lassen, etwas neues zu kreieren. So wie Miles Daviesm es getan hat. Den groessten Beitrag den Miles Davis gemacht hat, ist den Mut aufzubringen, sich von etwas Altem zu loesen. Etwas Neues zu schaffen, fuer etwas Neues Platz zu schaffen. Das faellt vielen Musikern die es "geschafft" haben so schwer, es ist fuer viele eigentlich unmoeglich sich wirklich zu loesen. Ist Miles Davis Dein musikalischer Haupteinfluss, Dein Idol? JoJo Mayer: Ich habe mich von unglaublich vielen Leuten beeinflussen lassen. Von der neueren Generation Schlagzeuger wie Omar Hakim, Peter Erskine, Jack de Johnette, Philli Joe Jones aber auch andere wie Terry Bozzio - alle die irgendetwas entwickelt haben. Ich habe meine Antenne aber eigentlich immer mehr bei den Bands gehabt.
Also bei den Schlagzeugern die in einer Band eine neue Richtung, eine neue Musik kreiiert haben und nicht Studio Cats wie Jeff Porcaro?
Jojo: Ich habe einen Heiden Respekt vor Jeff Porcaro. Porcaro hat einen Groove gehabt...that' s fuckin' shit, oder? Da war doch nichts, oder?
Es war Gott! Aber Deine favorite Drummer sind eher die der "grossen Bands"?
Jojo: Ja klar! Ich suche einfach diese gewisse Qualitaet die mich an Musik fasziniert, das Neue, wie etwa die drum n' bass Abteilung... Das Faszinierende daran ist, dass es eine absolut konservierte Musik ist, die keinen Live-Ausdruck hat. Dabei draengt es sich schon fast auf: Der Groove, die Textur, "schreit" danach adaoptiert zu werden, live gespielt zu werden.
Wuerdest Du Dich selbst als drum n' bass Schlagzeuger beschreiben?
JoJo: Nein. Ich bin Musiker. Ich bin Schlagzeuger. Ich moechte mir nicht selber ein Label aufsetzen.
Auch nicht das des "drum n' bass Maniac"?
JoJo : Nein ueberhaupt nicht. Ich kann mir das Zeug auch nicht den ganzen Tag anhoeren, das waere mir ein bisschen zu bloed. Dass ich mich im Moment dem mehr widme haengt mehr mit mit der Freiheit zusammen die ich nun innehabe. I can do what fuck I want! Ich kann mir die Leute aussuchen mit denen ich spielen will und das habe ich mir verdient. Ich war lange genug Sideman.
Was hast Du in der letzten Zeit als Sideman gemacht?
JoJo: Das kannst auf der Homepage nachlesen! (Anm.:www.jojomayer.com)
Was oder wer war dabei das Schoenste, das Wichtigste fuer Dich?
Jojo: Gewisse Sachen die ich gemacht habe waren in der Situation unertraeglich und haben sich im nachhinein als unheimlich wichtige Lektion entpuppt. Zum Zeitpunkt als ich darin involviert war habe ich das nicht realisiert aber 10 Jahre spaeter..so, aha ich verstehe jetzt warum ... da gibt es verschiene Erfolgserlebnisse. Es gibt Erfolgserlebnisse dass Du mit jemanden spielst aber die Musik gar nicht mal so was Besonderes ist. Du bist so beinflusst von dem Vibe der Leute, der Person mit der Du unterwegs, wie diese sich das Leben einrichtet, wie diese mit dem Leben kooperiert. Dann gibt es Leute die ich vollens bewundert habe, aber zu dem Zeitpunkt wie ich mit ihnen gearbeitet habe, ich mit ihnen unheimliche Entaeuschungen erlebt habe. Voellig bescheuert die Leute, mit denen haelst Du es nicht aus. Das Schoenste? Es gibt gewisse Erfolgserlebnisse die man hat, die einem gut tun,wie zum Modern Drummer Festival eingeladen zu werden. Da zu spielen, das ist dann fast so wie einen Oscar zu gewinnen! Dazu zaehlt dann auch Standing Ovations zu kriegen, noch waehrend Deiner Performance. Da mache ichkeinen Hehl daraus: It's a good feeling, oder? Aber es hat alles seinen Preis. Die wichtigste Entscheidung war fuer mich in den letzten 5 Jahren, seitdem ich in New York bin, ist eine Uebersicht zu kriegen wie es wirklich funktioniert in diesem Business. Wer die Zuegel in der Hand hat und was moeglich ist. Und vor allem: Was in diesem Land moeglich ist! Was in Europa nicht moeglich ist, ist zum Beispiel dass Du hier ueber Nacht beruehmt werden kannst. Du kannst hier den abgedrehtesten Shit bringen. Weil hier in New York die Suchscheinwerfer der ganzen Welt kreisen. Und was gut genug ist, wird verkauft werden. Und der naechste Gig ist in Japan oder in L.A.! Wenn Du in Schleswig Holstein bist und irgendwie total gut bist und spielst einen heavy shit und die Leute werden darauf aufmerksam, dann kriegst Du einen Gig in Koeln, oder? Vielleicht auch in Duesseldorf. Dann musst Du erst einmal 5 Jahre in Deutschlan rumtingeln... ach Du musst 10 Jahre rumtingeln bis Du dann mal einen Gig in Frankreich kriegst. So ist das irgendwie! Das ist hier in New York anders. Das ist der Grund warum es mir hier einfach gefaellt. Das es hier gewisse Vorteile hat. Es ist von New York aus einfacher auf der ganzen Welt umzureisen. Es macht die Welt klein wenn Du hier lebst. Da fuehle ich mich einfach gut aufgehoben. Sicher. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.
Die wollte ich nicht erwaehnen!
JoJo: Ich denke natuerlich oft auch an die Momente wo ich mir ueberlegt habe ob es vielleicht doch ein bisschen zu heavy hier ist ich aber doch durchgehalten habe...
Durchgehalten klingt nach schlechten Zeiten?
Jojo: Ja klar! Total! Nach jedem Erfolgserlebnis, nach jedem Erfolg kommt immer ein Tief, ein Kater. Ich hatte eine Band (Anm. The Screaming Headless Torsos) - super- wir touren in Japan, wir touren in den USA. Wir haben eine Platte bei Warner Brothers, die Band ist saugut es laeuft alles paletti. Peng! Die Band loest sich auf. Stress mit der Plattenfirma. Boeses Blut...
Das war mit welcher Band?
JoJo: Screaming Headless Torsos. Das ging irgendwie...so (schnippt mit dem Finger.) Es hat einen unheimlich steilen Anstieg gehabt und die Plaene den wir gehabt h-a-t-t-e-n.... Ich kam in diesen Kater, in eine wahnsinnige Desillusionierung. Du fragst Dich dann:"Willst Du so etwas noch einmal machen, do you wanna do that do you wanna do a band...to rehearse...to make another fucking record...to fight for another record deal...oder willst Du wieder in irgendwelche Studios gehen, wieder irgendwelche Jingles spielen? Oder irgendwelche Jazz Gigs oder so Und mit irgendeinem R&B oder Hip Hop Star fuer relativ wenig Geld auf Tour zu fahren?" Da musst Du viel ueberlegen: Was willst Du eigentlich? Und diese ganzen Sachen haben mich dazu bewegt runter zu gehen, an meine Wurzeln und irgendwie zu ueberlegen w-a-s w-i-l-l i-c-h w-i-r-k-l-i-c-h? Da habe ich Opfer bringen muessen indem ich gewisse Sachen nicht mehr gemacht habe, indem ich Studiojobs nicht mehr angenommen habe - nicht dass ich die Kohle nicht haette brauchen koennen. Ich hatte ein Angebot fuer 3 Monate auf Tour zu fahren. Ich fragte mich natuerlich lange: Soll ich es nun machen, ja oder nein? Wenn ich jetzt 3 Monate auf Tour fahre: O.K., dann habe ich die Miete fuer dieses Jahr bezahlt. Aber ich bin wieder 3 Monate weiter davon entfernt meinen eigenen Scheiss zu machen. You gotta choose those battles... Du kannst es Dir aussuchen an welcher Front Du kaempfen willst. Und dann habe ich mich entschieden: Ich versuche es jetzt mal als Bandleader, mache meine eigene Regie...
Wie hast Du es trotzdem geschafft in dieser Zeit Deine Miete zu bezahlen?
JoJo: Ich habe immer genuegend Jobs gehabt, so dass es ging. Aber es war nie so dass ich total happy war mit dem was ich gemacht habe. Es war so: Ich habe mir gewisse Traeume erfuellen koennen, aber an dem Punkt wo sich der Traum erfuellt hat habe ich gemerkt dass es das alles gar nicht ist was ich mir vorgestellt habe. Es war wie eine Fata Morgana. Es war aus einem Rausch aufzuwachen. Du siehst dann wie es wirklich ist. Ich brauchte eine Weile den Mut aufzukriegen um zu sagen: O.K., du versuchst etwas ganz Neues aufzumachen. Ich gebe mir ein Jahr Zeit und ich schaue mal was passiert. Du nimmst ein oekonomisches Risiko auf Dich; was ich mir leisten kann da ich keine Familie habe. Got drums, no trouble...
Seit wann lebst Du nun nicht mehr in der Schweiz?
Jojo: Seit gut 10 Jahren. Aber rein als Schlagzeuger, war einer der ersten Punkte wo ich loslassen musste, als Schlagzeuger loszulassen, so dass ich ueber die Jahre immer mehr und mehr produziert habe.Ich habe sage und schreibe 2 Jahre dafuer gebraucht und habe dann mehr produziert als getrommelt.
Aus Spass oder aus oekonomischen Gruenden?
Jojo: Oekonomisch war da natuerlich viel unterwegs...
Wie kamst Du zu diesem Punkt? Schlagzeuger sind ja nicht wie Keyboarder zwanslaeufig mit Technik so vertraut?
Jojo: Weil ich schon immer mit Maschinen gecheckt habe. Und dann irgendwie auch davon abgelassen habe mich immer nur als Schlagzeuger beweisen zu muessen. Das war eigentlich eine sehr Lektionen-reiche Zeit. Da ich von der Zeit als ich 3 Jahre alt war nicht viel anderes im Kopf gehabt habe als Schlagzeug zu spielen. Irgendwie mich mal mit ganz anderen Sachen auseinander gesetzt habe. Da habe ich mit Freddie Gruber angefangen zu spielen. Er hat mir auch Kicks gegeben. Obwohl der Freddie ja eine unglaubliche Technik hat, sehe ich ihn vielmehr als eine Art Philosophen, der einem ein gutes Gesantbild und gute Zusammenhaenge rueberbringen kann.
Dave Weckl und Neil Peart erzaehlten, dass Fredie Gruber sie vollkommen neu ans Set herangefuert hat.
JoJo: Das grundlegende an Freddie's Konzept ist dass er den Sachen wirklich auf den Grund geht. Und der Grund von all diesen Sachen liegt im Movement, Sound - die ganzen physikalischen Gesetze.Er beschaeftigt sich mit dir mit ganz grundlegenden Dingen wie: Was passiert mit dem Schlagzeugstock wenn man ihn loslaesst? Er faellt herunter - was passiert mit der kinetischen Energie? Es gibt einen Rebound. Es gibt einen Sound. Es gibt einen Klang. Very, very basic. Und im Prinzip bringt er einen dazu wie man sich mit sich selbst arrangiert, dass man sich alleine mit der Basis beschaeftigt. Und dies mit - und nicht gegen die physikalischen Gesetze. Einfach was die Stoecke von sich aus machen und man auch zuhoert wie das wirklich klingt. Diese Trommler hocken teilweise stundenlang vor diesem Practice Pad und machen "bbrrrrrrrmmmmm..." und hoeren keine Sekunde zu wie es eigentlich klingt! Dass es gut klingt. Dass es musikalisch klingt. Und die klingen dann auch halt so:"Brrrummmmmmmmm" Das ist halt keine Musik...fuer mich nicht unbedingt. Selbst wenn ich mich aufwaerme versuche ich mir zuzuhoeren: Klingt es gut, fuehlt es sich gut an? Es ist wie so ein Rubix Cube: Dieser Zauberwuerfel. Du kannst ihn von 6 verschiedenen Seiten betrachten: Eine Seite ist die technische Seite, eine Seite ist die Sound-Seite, die emotionelle Seite und eine andere Seite ist die konzeptionelle Seite. Feeling , Sound, Technik. Es ist immer derselbe Wuerfel, es ist nur eine andere Seite die man von ihm sieht. Es ist die Problematik, wie wir den Wuerfel betrachten. Nur von der technischen Seite...wenn Du ihn immer nur von derselben Seite betrachtest, immer nur die rote Seite siehst, wirst Du die gelbe, die blaue und die weisse und die orangene und braune Seite nie sehen. Es ist wichtig dass Du alles siehst! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich technische Probleme gemeint habe zu haben und ich spaeter gemerkt habe, dass diese mit Technik gar nichts zu tun gehabt haben. Ich nur den Blickwinkel veraendert habe, den Wuefel anders angeguckt: Mich nur noch auf den Sound den ich gespielt habe focussiert habe: Wie klingt wenn ich das jetzt so spiele? Wieso will ich ueberhaupt ein Single Stroke Roll hier spielen? Wozu brauchst Du ueberhaupt ein Single Stroke Roll in dem Moment. Waere ein Double Stroke Roll jetzt vielleicht nicht besser? Stay in touch mit dem Sound! Das ging zu einem Punkt wo ich mir ueberlegt habe wo ich mir rgendwann keine grossen Gedanken mehrt machen musste, weil ich angefangen habe besser zu hoeren was ich eigentlich spielen will und mich einfach auch seltener in die Scheisse katapultiert habe mit irgendwelchem Zeugs. Das passiert mir natuerlich immer noch, aber auch aus dem Grund weil ich einfach zu wenig uebe. Ich muesste eigentlich mehr ueben...
Wie oft uebst Du denn?
Jojo: Ich uebe sehr wenig Schlagzeug. Ich uebe eigentlich nie... Hast Du eine taegliche Auftritts- und Studioroutine? Jojo: Ja aber gewisse Sachen muss man ueben, musst Du isoliert betrachten. Ganz dicht unter dem Mikroskop etrachten.
Eine Modern Drummer Leserbrief-Standard Frage: Wie schafft man es als junger Trommler aus Deiner Erfahrung den "Fuss in die Tuer" des Business zu bekommen? Gehe ich den traditionellen Weg ueber eine Schlagzeugschule oder gehe ich durch die Clubs, die es ja kaum noch gibt?
Jojo: Eine sehr wichtige Frage. Die Frage sagt schon unheimlich viel ueber die Hilflosigkeit ueber den aus, der diese Frage stellt. Es ist irgendwie wie: Ich will mir einen neuen Wagen kaufen aber was soll ich denn jetzt eigentlich kaufen? Alle hauen Dir jetzt irgendwie den Kopf voll: Kauf' keinen Japaner, auf' den oder wart noch bis... oder wie den Computern: Wart' noch 3 Jahre dann kommt der neue G3 raus....Wie kriege ich den Fuss in die Tuer? Soll heissen: Mit der Musik mir eine Wohnung leisten zu koennen, eine Familie oder ein Auto. Ich glaube es ist genau dasselbe wie mit dem Wuerfel: Diese Ansicht den Fus in die Tuer zu kriegen. Das heisst ueberhaupt nicht dass Du dorthin kommst wo du hin moechtest! Fuer mich hat das nicht wirklich funktioniert. Ich musste mir nie wirklich Gedanken machen wie ich den Fuss in die Tuer kriege, weil ich manchmal schon dort war noch bevor ich ueberhaupt realisiert habe dass ich dort war. Ja, ich finde dass eine gute Frage, die ma auf eine praktische Art beantworten kann, aber auch auf eine philosophische. Wie kriegst du den Fuss ueberhaupt in die Tuer, auch als Mensch? Wie findest du die Frau Deines Lebens? Indem du um die ganze Welt reist, in allen Bars der Welt rumhaengst? Indem du moeglichst viele Frauen kennenlernst? Ich glaube das ist ziemlich individuell. Es gibt natuerlich gewisse Strategien: Du musst natuerlich erst einmal dorthin gehen wo die Tuere ist. Wenn Deine Tuer in Italien ist, musst Du nach Italien gehen. Wenn sie in New York ist, musst du nach New York gehen. Ich sage nicht dass du "musst" aber es erhoeht deine Chancen. To be at the right time at the right place! Ich glaube aber auch: The harder you work, the luckier you get. Du musst hart arbeiten, und ich glaube was das Wichtigste ist, ist gut zu spielen, professionel zu sein, ehrlich zu sein, nicht jeden Scheiss zu glauben der einem erzaehlt wird. Eine Ability haben gewisse Sachen zu entmystifizieren. Ich kenne Schlagzeuger die solche Jobs haben: Dass sind nicht die sogenannten Weltmeister schlagzeugtechnisch gesehen - aber es sind die Weltmeister fuer diesen bestimmten Job, weil sie genau der richtige Typ sind den die da in diesem Moment brauchen. Ich finde dass eine interessante Frage! Gesetzt den Fall dass du gut ausgeruestet bist: Dass du talentiert bist, die musikalischen und sozialen Chops hast, dich mit Leuten auseinanderzusetzen. Dass du dich in der richtigen Art promotest, dass die Leute auch wissen dass du da bist und spielen willst. Und dann irgendwie: Ich will mit dem Groenemeyer spielen. Das Problem ist halt nur, dass 10 Jahre Deines Lebens im Nu vorueber sind, wenn du so focussiert auf einen Punkt hinlebst. Weil du wahrscheinlich nicht der Einzige bist der diesen Job beim Herbert Groenemeyer will. Wieso willst du mit dem Groenemeyer spielen ? Was ganz wichtig ist, glaube ich: Man muss sich seiner Motivation bewusst sein, wieso du so etwas so unbedingt willst. Willst du unbedingt vor 25.000 Leuten spielen? Willst du unbedingt viel Geld verdienen, oder gefaellt dir die Musik von dem Groenemeyer so gut dass du mit ihm spielen willst? Das sind voellig verschiedene Sachen. Wenn du nicht ehrlich genug selber mit dir sein kannst, diese Frage zu loesen dann wirst du auch nicht ehrlich genug sein deinen Standpunkt ueberzeugend zu vertreten, zu gewissen Leuten bei denen du spielen willst. Das ist total wichtig. Leute wie der Harry Stampfer zum Beispiel (Schlagzeuger von Wolfgang Ambros, Austria 3),der setzt sich mit den Texten total auseinander, mit der Message die diese Leute zu singen haben. Der macht einen guten Job! Ich glaube es kommt wirklich auf deine Motivation darauf an! Den Fuss in die Tuer kriegst du, wenn du dir deiner Motivation bewusst bist. Als ich 13 war, da musste man nicht so ueberlegen was man machen wollte. Da gab es nicht 15 Fachzeitschriften fuer den Musiker Markt wie STICKS, drums & percussion, Modern Drummer, Keyboards. Es gab auch nicht in jedem Ort ein Musikgeschaeft das den newest Shit hatte, 2 Tage nach der Musikmesse. Es gab auch nicht in jedem Ort 3 Schlagzeugschulen. Ja stell' dir doch mal vor: Alleine Stuttgart hat ja schon 3 Schlagzeugschulen mit insgesamt wievielen, ja tausenden von Schlagzeugern, es ist unglaublich. Den Leuten wird einfach was vorgemach. Da es definitiv mehr Musikschulen in Deutschland als es Clubs und Studios gibt in denen du abeiten kannst. So ist die Wahrscheinlichkeit dass du in einer Musikschule dein Geld als Lehrer verdienen wirst viel hoeher als dass Du im Studio oder auf Tour arbeiten wirst. Um realistisch zu sein, ich will niemanden den Elan brechen aber ich habe das Gefuehl dass den Leuten ein bisschen dieses "Pop Rocky" Image von Stardom "ich habe es geschafft"., "ich spiele bei Santana" oder bei Chick Corea oder beim Lindenberg Irdendwie: It's all Farrytales. Es ist Pop Rocky maessig. In vielen dieser Musikzeitschriften wird dieses Image aufrechterhalten. Wenn Du mal einen Blick hinter die Kulissen wirfst, siehst Du das dann nicht mehr so. Eine Aufnahmepruefung zu bestehen in irgendeiner Musikschule...wenn es wirklich nur um die jungen und talentierten Leute gehen wuerde die wirklich eine Chance haetten als Musiker zu leben dann wuerde es diese Musikschulen alle nicht geben. Ich sage nicht dass du ein wahnsinniges Cat sein musst um bei den Zillertaler Schuerzenjaegern spielen zu koennen. Ich glaube schon dass der Patrick Cox ein Cat ist.
Aber die ganzen unbekannten Leute, die nie jemand hoeren wird... Eine Menge unbekannter, talentierter Schlagzeuger die"on the move"sind, aber nie gehoert werden?
Jojo: Transferiere doch einmal das Gespraech in die Schauspielerei! Wie kriegst Du den Fuss in die Tuer als Schauspielerin? It's the same shit. Du musst auf die Casting Couch. Fuer viele Schlagzeuger gibt es diese Casting Couch. You wanna go there? You gonna suffer a lot! Es gab Zeiten wo der Vinnie (Colaiuta) in L.A. rumgehangen hat und keine Jobs gehabt hat weil sich keiner getraut hat ihm die Jobs zu geben. Weil die es nicht fuer moeglich gehalten haben dass er einen Pop Song spielen kann. Er ist einer der groessten Trommler die je gelebt haben, es ist einfach unglaublich. Es ist aber auch viel Image. Wenn Du den Fuss in die Tuer reinkriegen willst, musst du auch anfangen dich mit dir selbst auseinanderzusetzen, auch mit Strategien: Wie denken die Leute, wie sind die Leute drauf? Wie reden die ueber Dich oder auch: Wie redest Du ueber andere Leute? Attitude! Attitude ist das Wichtigste! Deine Einstellung ist das Wichtigste ueberhaupt.
Hast Du Dir darueber immer bewusst Gedanken darueber gemacht oder stellst Du diese Erfahrungen erst jetzt im nachhinein fest?
Jojo: Viele Sachen merkt man immer erst mit einer Art Zeitverschiebung, das nennt man dann glaube ich "Erfahrung" Wenn du einen Lernprozess abgeschlossen hast, dann kommt Erfahrung dabei heraus. Jeder wird dir aber immer wieder dasselbe sagen. Ich glaube die Ausruestung die du in deinen Rucksack packen musst um als Schlagzeuger erfolgreich zu sein, sind Qualitaeten die total widerspruechlich sind: Du brauchst einerseits ein sehr dickes Fell, aber brauchst auch Sensibilitaet. Du brauchst Selbstvertrauen, aber auch genuegend Selbstkritik. Du brauchst Mut, aber Du brauchst auch ein gesundes Mass an Respekt vor einer Situation. Wenn Du weisst diese Balance zu finden, diese...
Dynamik?
Jojo: Ja genau! es sind dieselben Sachen die die Musik interessant machen sind die selben Sachen Dir ermoeglichen einen guten Job zu kriegen. Und je mehr Geld auf dem Spiel steht, mit umso mehr Arschloechern musst du dich auseinandersetzen. Es wird nicht einfacher nach oben, es wird schwieriger. Stell Dir vor, dass du es geschafft hast, du verdienst viel Geld. Es geht 8 Monate, und der Traum ist vorbei, Was steil hinaufgeht, geht oft steil hinunter. Es gibt so unzaehlige Beispiele, die ich gar nicht nennen moechte. Von Leuten die zugrunde gegangen sind und keine Chance mehr bekommen haben mit etwas anderem zu kommen und mit 20 oder 30 ausgebrannt, fertig sind. Vergleiche Phil Collins mit einer Band wie A-Ha. Ueber solche Sachen habe ich mir wenig Gedanken gemacht, seit ich 18 war, war ich on the road...
Hattest Du damals einen Lehrer?
Jojo: Nein, ich habe immer zu Platten gespielt. Mein Vater ist ja auch Musiker...
Was spielt Dein Vater fuer ein Instrument?
Jojo: Er spielt Bass bei Haensche Weiss, einer Art Zigeuner Gitarrist, aehnlich wie Django Reinhardt. Ich finde es auch ziemlich problematisch nach bestimmten Lern Systemen zu lernen. Alles was ich Dir erzaehle ist ja eigentlich ein alter Hut: Es geht nichts darueber die Erfahrungen selbst zu machen. Egal was und wie Du es machst! Es gibt keine Abkuerzungen. Der Weg ist das Ziel! Angefangen hat das mit den amerikanischenS chulkonzeptionen mit den Aussagen: Du brauchst keine 4 Jahre an eine Musikschule zu gehen, bei uns bist Du nach 2 jahren "ready"! Dann kannst Du Noten lesen, kannst zum Click Trach spielen etc. Da kommen dann hunderte von wirklich brauchbaren Schlagzeugern von diesen Schulen, die alle erst einmal gleich klingen da sie sich alle den gleichen Stoff reingezogen haben. Aber nur der eine Schlagzeuger der das gewisse "etwas" hat, der bekommt dann diesen Job. Und das geht bei den Konservatorien schon seit Jahren so. Es gibt denke ich keine "einfache Loesung". Das wichtigste ist dass du Freude daran hast Musik zu machen. Das kommt dann auch rueber. Auch dass du ehrlich spielst. Und auch die Intention, mit der du Musik spielst die wird auch solches registriert. Wenn du vom ganzen Herzen spielst, dann wirst du die Leute auch da treffen. Wenn Du kopflastig spielst, wirst du die Leute auch "da oben" treffen. Egal was Du fuer Stilrichtungen spielst. Das sind Punkte mit denen ich mich mehr und mehr, intensiver beschaeftige. Zu wissen was ich nicht spielen soll - zu lernen was ich nicht spielen soll. In welchen Moment willst Du nichts spielen. Das ist auch das was ich selber hoeren will wenn ich Musik hoere. Ich moechte gerne unterhalten werden. Es ist eine persoenliche Angelegenheit. Ich denke viele Schlagzeuger die versuchen den Fuss in die Tuer reinzukriegen, den wuerde es guttun, wenn sie sich eine Platte von (Vladimir) Horrowitz anhoeren wuerden oder ein Klavierkonzert von Glen Gold und nicht die neueste Platte von Dave Weckl. Auch das meine ich nicht in einem negativen Sinn, weil Dave einen unheimlichen Beitrag fuer das Schlagzeug geleistet hat. Ich habe ueber Rhytmus unheimlich viel gelernt als ich mri klassische Konzerte von den Meistern angehoert habe es ist so "pure". Denk' nur an den Beginn von Stanley Kubrik's Film "Space Odyssee 2001", diese Musik kann Dich in eine andere Welt transportieren. Fuer mich ist es ein unheimlich grosses Kompliment wenn mir einer sagte dass er durch meine Musik fuer eine Stunde in eine andere Welt transportiert wurde. Check' doch auch mal das Buch "Effortless Mastery"(von Kenny Werner). Es ist ein einfaches Buch, anwendbar auf jedes Gebiet. Es geht darum die Qualitaet, die ein Musiker, ein Schlagzeuger hat der hinter seinem Instrument sitzt ein Miracle zu producen. Egal ob er gut oder schlecht drauf ist. Es gibt so Leute, die jedesmal wenn sie spielen so etwas schaffen, das sind dann fuer mich die "Masters", wie Miles Davis zum Beispiel. Wenn es sich in einer Zone abspielt, jeder hat diese Zone einmal erlebt, sonst wuerde er nicht ein Instrument spielen. Wenn Du selbst nur zweimal im Jahr so etwas erlebst. Du bist gut drauf - alle haben Spass - Du kannst spielen was Du willst - es geht fast alles wie alleine : diese "Zone". Ich habe mich angefangen mit solchen Sachen auseinanderzusetzen als ich angefangen habe Clinics zu machen. Auch um bei mir deim Modern Drummer Festival nicht in die Hose zu scheissen. Wo all deine Heros spielen. Es geht wriklich nur darum wie jeder dieser Cats damit umgeht.
Bei den Drum Masters '97 in Koeln war diese Anspannung bei den Schlagzeugern so auffallend.
Jojo: Stell' Dir mal vor da kommt eine Schar von Jungs hin, die erwarten fuer ihre DM 25,- Eintritt weggeblasen zu werden. Das ist ein unheimlicher Druck. Da habe ich angefangen mich mit solchen Sachen auseinanderzusetzen: Worum geht es eigentlich? Was sind deine 2-3 guten Appartate die du ablassen kannst, und was passiert wenn du die abgelasen hast? Weil den ganzen Abend hoerst Du nichts anderes als diese abgelassenen Licks. Und das Problem des Schlagzeugers ist, dass es so ein statistisches Instrument ist. So laufen Schlagzeuger in die Gefahr, in dieser Statistik gefangen zu bleiben. Wenn beim Schlagzeug der Stock auf das Fell faellt, macht es kurz "paff"- und fertig! Es macht nicht ta-ta-ta tahhh. Du musst das Schlagzeug anders entdecken, es hat genauso viele Ausdrucksformen . Ich kann zu einem Tune den Beat veraendern und die Emotionalitaet des Tunes ist so ungeheuer beeinflusst! Du kannst vor dem Beat, hinter dem Beat spielen - whatever! Du kannst Rumba, Samba, Jazz, Punk whatever spielen. Du laeufst halt schnell Gefahr, als Schlagzeuger in dieser Statistik "grosses Tom-kleines Tom, links-rechts"gefangen zu sein...
Die Schwierigkeit sich nach dem gelernten Technik sich wieder zurueckzunehmen?
Jojo: Musik ist eine Sprache! Es gibt ja auch in der Sprache gibt es Litaratenm die mit Fremdwoertern um sich werfen, aber ueberhaupt nichts mehr auszudruecken wissen. Das versteht dann kein Schwein mehr nur noch der Experte - aber dafuer ist die Sprache doch gar nicht da! Wie geht es weiter mit Nerve? Jojo: Jetzt sind wir gerade daran aufzunehmen und sind am ausprobieren von verschiedenen Aufnahmetechniken, am Probieren ob und wie wir die drums live einspielen, wie wir es editieren und ich hoffe dass wir dann im Sommer das fertige Produkt haben! Ich gebe mir da aber keinen Stress um die Sache zu beschleunigen oder an den Mann zu bringen. Ob es ein Major Label werden wird haengt auch davon ab, wieviel Freiraum wir bekommen werden. Es soll halt in kreativer Hinsicht kein Einfluss von "draussen" dabei sein...
IInwieweit ist "Nerve" jetzt fuer Dich Zukunft?
Jojo: Da ich selbst ueber diese positive Kritik, Anteilnahme an NERVE hier in New York so ueberrascht bin ist das natuerlich schwierig. Das ist mir bis jetzt halt noch hier in New York noch nie passiert egal mit welchen Leuten ich hier gespielt habe - es waren nie soviele Leute da.
Klingt etwas nach der Spin Doctors Story? Geht so etwas nur in New York?
Jojo: Ja, Ja.... (Singt: New York, New York...if you make it here you'll make it everywhere...)
Danke an Markus Dehmut fuer dieses sorgfaeltig und mit viel Einfuehlungsvermoegen gestaltete Interview. J.M
